Lario Water Taxi
Kurioses vom Lario

Geschichte Comer See: von den Römern bis zu den Brautleuten, vom Boot aus erzählt

Plinius, die Isola Comacina, die Villen der Kardinäle und Manzonis Lecco. Der Kapitän von Lario Water Taxi erzählt die Geschichte des Sees so, wie man sie vom Boot aus sieht.

Die Geschichte des Comer Sees versteht man am besten vom Wasser aus. Jahrhundertelang war der Lario eine Straße: Hier fuhren die Boote der Römer, die Flotten des Mittelalters, die ersten Dampfschiffe. Und auf dem Wasser beginnt auch der Roman, den in Italien jeder in der Schule liest. Die Brautleute von Alessandro Manzoni spielen am Comer See, und die erste Seite liegt im Arm von Lecco.

Ich fahre jeden Tag mit einem venezianischen Wassertaxi aus Holz über diesen See. Die Gäste stellen mir fast immer dieselben Fragen: Wer hat diese Villa gebaut, warum wohnt auf dieser Insel niemand, welcher Arm ist der von Manzoni? Hier habe ich die Antworten aufgeschrieben, ungefähr in der Reihenfolge, in der ich sie an Bord erzähle.

Larius: die Römer und die Villen des Plinius

Die Römer nannten ihn Larius. Vergil zählt ihn in den Georgica zu den großen Seen Italiens: te, Lari maxime. Im Jahr 59 v. Chr. gründete Julius Caesar die Stadt am Ufer neu, als Novum Comum. Seitdem liegt Como dort, am Ende des westlichen Arms.

In Como wurden Plinius der Ältere und Plinius der Jüngere geboren. Der Jüngere schrieb einem Freund, er besitze am See mehrere Villen, zwei davon liebe er besonders. Die eine steht hoch auf den Felsen und blickt auf den See hinab: Er nannte sie Tragödie. Die andere berührt das Wasser: Er nannte sie Komödie und schrieb, man könne dort fast vom Bett aus angeln, wie aus einem kleinen Boot. Fast zweitausend Jahre später stimmt das für manche Häuser am Comer See immer noch.

Wo die beiden Villen genau standen, weiß niemand. Die Überlieferung setzt die Tragödie auf das Vorgebirge von Bellagio, das die beiden Arme trennt. Den Namen des Plinius trägt auch die Villa Pliniana in Torno, ab 1573 rund um eine Quelle gebaut, die er in einem anderen Brief beschrieben hat: Wasser, das dreimal am Tag steigt und fällt. Leonardo da Vinci hat sie untersucht und in seinen Notizbüchern festgehalten. Vom Boot aus sieht man die weiße Villa mit dem Wasserfall dahinter sehr gut, besichtigen kann man sie nicht, sie ist in Privatbesitz.

Isola Comacina, die Festung mitten im See

Die Isola Comacina ist die einzige Insel im Comer See, und nirgends spürt man die Geschichte so deutlich. Im 6. Jahrhundert war sie eine byzantinische Festung: Ihr Befehlshaber Francio hielt sich lange gegen die Langobarden, bis 588. Im Jahr 1169 machten Truppen aus Como, verbündet mit Kaiser Friedrich Barbarossa, die Insel dem Erdboden gleich.

Die Überlebenden flohen ans gegenüberliegende Ufer nach Varenna, das eine Zeit lang Insula nova hieß. Danach blieb die Insel über Jahrhunderte fast verlassen. Heute ist sie eine archäologische Stätte, mit den Resten frühmittelalterlicher Kirchen zwischen den Bäumen und drei Künstlerhäusern, die Pietro Lingeri in den 1930er-Jahren entworfen hat. Ende Juni, zum Johannisfest, erinnert ein Feuerwerk über dem Wasser bis heute an den Brand.

Wer mit dem Boot ankommt, versteht sofort, warum sie eine Festung war. Sie liegt ganz nah am Ufer von Ossuccio, und trotzdem reicht dieser schmale Wasserstreifen, um sie von allem abzuschneiden. An ruhigen Tagen hört man an der Anlegestelle nur die Vögel und das Wasser am Rumpf.

Die Adelsvillen: ein See der Kardinäle und Marchesi

Ab dem 16. Jahrhundert begannen die großen Familien aus Como und Mailand, an den Ufern zu bauen. 1568 ließ sich Kardinal Tolomeo Gallio in Cernobbio eine Sommerresidenz errichten: Heute kennen wir sie als Villa d'Este. Ende des 17. Jahrhunderts baute der Mailänder Marchese Giorgio Clerici in Tremezzo die spätere Villa Carlotta. Ende des 18. Jahrhunderts ließ Kardinal Angelo Maria Durini ein altes Franziskanerkloster auf der Landspitze von Lavedo umbauen und die Loggia der Villa del Balbianello errichten.

Diese Villen wurden gebaut, um vom See aus gesehen zu werden. Bei der Villa Carlotta war der Haupteingang bis Mitte des 20. Jahrhunderts der am Wasser. Wer mit dem Boot kommt, sieht Treppen, Terrassen und Fassaden genau von der Seite, für die sie entworfen wurden. Von der Straße aus sieht man oft nur ein Tor.

Die Brautleute und der Comer See: jener Arm, der nach Süden zeigt

Alessandro Manzoni ließ seinen Roman im Jahr 1628 in den Dörfern rund um Lecco spielen. Dort war er aufgewachsen: Die Familienvilla im Ortsteil Caleotto, in der er Kindheit und Jugend verbrachte, ist heute ein Museum. Die erste Seite beschreibt den See, und in Italien kennt sie jedes Schulkind. In der alten deutschen Übersetzung von Emilie Schröder klingt sie so:

Der Arm des Comersees, der sich gegen Süden durch zwei ununterbrochene Bergketten hinzieht und, je nachdem diese hervortreten oder zurückweichen, eine Menge von Buchten und Busen bildet, verengt sich plötzlich und nimmt zwischen einem Vorgebirge zur Rechten und einem gegenüberliegenden weiten Gestade den Lauf und die Gestalt eines Flusses an.

Alessandro Manzoni, Die Verlobten (Die Brautleute), übersetzt von Emilie Schröder

Vom Boot aus liest man diese Seite mit den Augen. Fährt man den Arm von Lecco hinunter, rücken die Berge näher, eine Bucht schließt sich nach der anderen, und am Ende wird der See wirklich schmal, bis er wieder zum Fluss wird. Die alte Brücke über die Adda in Lecco ist die Ponte Azzone Visconti, gebaut zwischen 1336 und 1338. Über der Stadt steht der Resegone, den Manzoni wegen seiner Zacken mit einer Säge vergleicht.

„Lebt wohl, ihr Berge“: Lucia verlässt ihr Dorf im Boot

Auch die berühmteste Szene des Buches spielt auf dem Wasser. Im achten Kapitel, in der Nacht vom 10. auf den 11. November 1628, fliehen Renzo und Lucia im Boot vor Don Rodrigo. Lucia legt die Stirn auf den Bootsrand und nimmt Abschied von ihrer Heimat, zuerst von den Bergen, die aus dem Wasser aufsteigen. In Italien heißt diese Stelle einfach Addio, monti.

Die Überlieferung verbindet diese Abfahrt mit Pescarenico, dem Fischerviertel, in dem das Kloster von Fra Cristoforo stand, heute die Kirche Santi Materno e Lucia. Eine Statue zeigt die beiden jungen Leute auf der Flucht im Boot. Wenn man abends vor Lecco liegt, der Motor im Leerlauf und das Wasser still, versteht man, warum Manzoni diesen Abschied genau dorthin gesetzt hat: Vom See aus sieht man alle Berge auf einmal, nebeneinander, so wie er sie aufzählt.

Manzonis Orte in Lecco: was man an Land sehen kann

  1. 01
    Pescarenico

    Das alte Fischerdorf, das einzige Viertel von Lecco, das im Roman genannt wird. Gassen rund um die Piazza Era, bunte Häuser und Holzboote an der Adda.

  2. 02
    Villa Manzoni im Caleotto

    Das Haus, in dem der Schriftsteller Kindheit und Jugend verbrachte. Heute ein Museum über sein Leben und Werk.

  3. 03
    Acquate und die Kirche von Don Abbondio

    Hier steht die Kirche San Giorgio, die als Ort der geplatzten Hochzeit gilt, und eines der beiden mutmaßlichen Häuser von Lucia. Vom Hof aus sieht man den Hügel Zucco, auf dem Don Rodrigos Palazzotto gestanden haben soll.

  4. 04
    Olate

    Das zweite mutmaßliche Haus von Lucia, nicht zu besichtigen. Wo Manzoni sie sich wirklich vorgestellt hat, weiß niemand genau, und vielleicht ist das auch gut so.

Das 19. Jahrhundert: Dampfschiffe, Dichter und Grandhotels

1826 nahm die Lario den Dienst auf, das erste Dampfschiff auf dem Comer See: In diesem Jahr sind es genau zweihundert Jahre. Von da an war der See leichter zu erreichen, und es kamen viele. Stendhal, Byron, Franz Liszt, der 1837 drei Monate mit Marie d'Agoult in Bellagio verbrachte. Rossini komponierte den Tancredi in der Villa Pliniana.

Die Villen wechselten Besitzer und Zweck. 1843 schenkte Prinzessin Marianne von Preußen die Villa Carlotta ihrer Tochter Charlotte zur Hochzeit, und nach ihr ist die Villa bis heute benannt. 1873 wurde die Villa d'Este zum Hotel, mit Verdi unter den ersten Gästen. Der See des Adels öffnete sich für Reisende und bekam die Gestalt, die wir vom Wasser aus noch heute sehen.

59 v. Chr.Julius Caesar gründet Como am Seeufer neu als Novum Comum
1169Como zerstört die Isola Comacina
1568Bau der Residenz von Kardinal Gallio, heute Villa d'Este
1628In diesem Jahr spielen Die Brautleute

Geschichte Comer See: so erleben Sie sie mit dem Boot

An einem Tag schafft man fast alles aus diesem Artikel: den Arm von Lecco mit den Orten der Brautleute, Bellagio und Varenna in der Seemitte, die Isola Comacina und die Villen der Tremezzina. Das ist die Route unserer Bootstour Full Day Dolce Far Niente, acht Stunden mit Stopps, wo Sie möchten. Wer nur einen halben Tag hat, wählt mit mir auf der vierstündigen Grand Tour ein Stück Geschichte aus.

Villen, Museen und die Insel haben Saisonzeiten und Öffnungszeiten, die sich jedes Jahr ändern, manche Besuche muss man vorab buchen: Prüfen Sie vor der Abfahrt immer die offiziellen Websites. Am liebsten sind mir Frühling und Herbst. Weniger Boote, klare Luft, und Manzonis Berge stehen scharf da, einer nach dem anderen.

Ganzer Tag Dolce Far Nichts
Die Tour zu diesem Artikel

Ganzer Tag Dolce Far Nichts

8 Stunden

Vom Arm der Brautleute bis zur Isola Comacina, vorbei an den großen Villen: Mit der Full Day Dolce Far Niente erleben wir die Geschichte des Comer Sees an einem Tag, in Ihrem Tempo.

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Die Orte in diesem Artikel

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