Dongo am Comer See: Sehenswürdigkeiten und Anreise mit dem Boot
Palazzo Manzi, die Uferpromenade von 1945 und der Weg am See nach Gravedona. Der Kapitän von Lario Water Taxi erzählt, wie man Dongo vom Wasser aus erlebt.
Dongo am Comer See ist der Ort am oberen See, an dem im April 1945 ein Kapitel italienischer Geschichte zu Ende ging. Er liegt am Westufer, in der Ebene, wo der Bach Albano in den See mündet. Mit meinem venezianischen Wassertaxi aus Holz komme ich hierher, wenn wir mit Gästen nach Norden fahren, dort, wo der Lario breiter wird und die Berge höher.
Vom See aus: Dongo vom Boot gesehen
Von Menaggio aus nach Norden verändert sich das Ufer. Der See öffnet sich, und vor dem Bug tauchen der Monte Legnone und die nördliche Grigna auf. Genau diese beiden Gipfel nennt die Gemeinde selbst, wenn sie Dongo beschreibt, und vom Boot aus versteht man sofort, warum.
Den Ort erkennt man an der offenen Piazza am Steg und an der Fassade des Palazzo Manzi, nur ein paar Schritte vom Wasser. Hier oben ist die Stimmung anders als in der Seemitte. Weniger Prachtvillen, mehr Dorfleben: Leute auf der Promenade, Boote an der Boje, etwas dahinter der Glockenturm von Santo Stefano.
Anreise nach Dongo mit dem Boot
Mit dem Boot ist es am einfachsten und am schönsten. Mit der Full Day Dolce Far Niente haben wir den ganzen Tag, um ohne Eile heraufzufahren, an Land zu gehen und weiter nach Gravedona oder zum Ufer von Colico zu fahren. An der Anlegestelle von Dongo halten auch Schiffe und Tragflügelboote von Navigazione Laghi, mit Verbindungen aus Como, Menaggio, Bellagio, Varenna und Colico.
Im Winter fahren weniger Linien, meist nur Tragflügelboote. Fahrpläne und Preise ändern sich mit der Saison, deshalb vor der Abfahrt auf navigazionelaghi.it nachsehen.
Geschichte von Dongo: von der Via Regina bis 1945
Hier verlief die Via Regina, die römische Straße am Westufer hinauf nach Chiavenna. Im Mittelalter war Dongo ein ummauerter Ort, und an der Piazza Vertua Gentile steht noch ein kleines Stück Mauer mit einem Torbogen. 1534 schloss es sich mit Gravedona und Sorico zu den Tre Pievi zusammen, den Drei Pfarreien. Die drei roten Kreuze im Wappen erinnern bis heute daran.
Dann kam das Eisen. Bergwerke im Tal werden schon in einer Urkunde von 1465 erwähnt, und aus der 1839 gegründeten Firma Rubini, Scalini und Falck ging der Stahlkonzern Falck hervor. Die Anlagen der alten Eisenhütte sieht man noch jenseits des Bachs.
Am 27. April 1945 stoppten Partisanen zwischen Musso und Dongo eine abziehende deutsche Kolonne. Auf der Piazza entdeckten sie Benito Mussolini, der in den Palazzo Manzi gebracht und verhaftet wurde. Am Tag darauf wurden die mit ihm gefassten faschistischen Funktionäre an der Uferpromenade erschossen. Laut dem Museum zum Kriegsende ist das Geländer noch das von damals, mit den Einschusslöchern.
Sehenswürdigkeiten in Dongo am Comer See
- 01Palazzo Manzi und die Sala d'Oro
Ein Palazzo aus napoleonischer Zeit nach Plänen von Pietro Gilardoni, 1937 von Giuseppina Manzi der Gemeinde geschenkt und heute Rathaus. Außen schlicht. Innen liegt die Sala d'Oro, der Goldene Saal, zwei Stockwerke hoch mit Galerie und einem Parnass an der Decke, gemalt von einem Schüler Appianis.
- 02Museum zum Kriegsende
Das Museo della Fine della Guerra liegt im Palazzo Manzi, in den Räumen, in denen die Ereignisse stattfanden. Fundstücke, Dokumente, Zeitzeugenberichte und Filme erzählen vom Widerstand am Comer See und den letzten Tagen des Faschismus. In der warmen Jahreszeit mit festen Öffnungszeiten, im Winter nur nach Anmeldung: bitte auf der offiziellen Website prüfen.
- 03Santa Maria in Martinico
Eine kleine romanische Kirche aus dem 11. Jahrhundert in der Altstadt, einschiffig, mit schlichter Fassade und einem kleinen kreuzförmigen Fenster. Sie bewahrt ein vergoldetes Silberkreuz von 1513.
- 04Wallfahrtskirche Madonna delle Lacrime
Gleich hinter der Brücke über den Albano. Die Überlieferung datiert ihren Ursprung auf den 6. September 1553: Ein Bild der Madonna mit Kind, das ein Hochwasser des Bachs überstanden hatte, soll geweint haben. Daneben liegt das Franziskanerkloster.
- 05Santo Stefano und der Weg nach Gravedona
Die Pfarrkirche wurde im 18. Jahrhundert über einem romanischen Bau neu errichtet. Dahinter beginnt der Rad- und Fußweg am See bis Gravedona: etwa fünfzig Minuten zu Fuß, flach und rollstuhlgerecht.
Beste Reisezeit für Dongo
Frühling und Frühherbst sind hier oben meine liebsten Monate. Im Mai liegt auf den Gipfeln oft noch Schnee, und morgens ist der See ruhig. Im September und Oktober wird die Luft klar, und die Berge am anderen Ufer wirken näher.
An Sommernachmittagen kommt meist die Breva auf, der Wind, der von Süden den See hinaufweht. Für die Fahrt zum oberen See starte ich gern früh und lasse mir für die Rückfahrt Zeit. Wer ins Museum will: Im Winter muss man reservieren.
Orte in der Nähe von Dongo
Gleich nebenan liegt Gravedona, die zweite der Drei Pfarreien, die man sogar zu Fuß am Ufer erreicht. Gegenüber sieht man Colico und etwas weiter südlich die Abbazia di Piona. Richtung Seemitte geht es zurück nach Menaggio und weiter nach Varenna.
