„Comer See Herbst“ – das tippen viele ins Handy, bevor sie anreisen. Ich nenne es einfach Herbst und sehe ihn vom Steuer meines venezianischen Wassertaxis aus. Von hier sieht man die Farben im Ganzen, von den Gipfeln bis hinunter zum Wasser.
Ich bin Massimiliano Magni, Kapitän bei Lario Water Taxi. Im Herbst bekommt meine Arbeit einen anderen Rhythmus. Die Tage werden kürzer, die Luft wird frischer, und der See wird oft ruhiger. Von dieser Jahreszeit erzähle ich am liebsten, denn vom Wasser aus reicht der Blick überallhin.
Vom Ufer aus sieht man das Herbstlaub nur in Stücken: eine Allee, einen Garten, ein Stück Wald über der Straße. Vom Boot aus hat man den ganzen Hang vor sich, von einem Ufer zum anderen, und sieht ihn sich verändern, während die Saison voranschreitet.
Hier erzähle ich, was man sieht, wann sich eine Ausfahrt lohnt und was in die Tasche gehört. Den Rest erledigt der See.
Die Farbe wandert zum Wasser
Wenn ich in diesen Tagen Gäste nach Bellagio oder Varenna bringe, zeige ich zuerst nicht auf einen Ort. Ich zeige auf den Wald. Im Herbst färben sich die Wälder an den Bergen rund um den See, und von der Seemitte aus wirkt es, als würde die Farbe oben beginnen und langsam zum Ufer hinabsteigen.
Von der Anlegestelle aus merkt man es nicht. Vom Wasser aus schon: Zuerst leuchten die oberen Hänge, dann der mittlere Gürtel, zuletzt die Bäume nahe am Wasser. Derselbe Berg hat ein paar Tage später schon eine andere Farbe.

Die Villen sind im Herbst noch geöffnet und bleiben ein guter Grund, langsamer zu fahren. Vor der Villa del Balbianello oder der Villa Carlotta nehme ich Gas weg und lasse das Ufer sprechen: die Fassaden, die Gärten, manchmal eine Kletterpflanze, die an der Mauer rot geworden ist. Die Öffnungszeiten prüft man am besten vor der Abfahrt.
Frischere Luft, ruhigerer See
Der Sommer am Lario hat seinen Reiz, aber er ist auch die Zeit der Bugwellen, die sich kreuzen, und der Motoren. Im Herbst ist auf dem See weniger Verkehr als im Sommer, und das spürt man sofort. Das Wasser ist ruhiger, das Boot gleitet sanft, und man kann sich unterhalten, ohne die Stimme zu heben.
Manchmal halten wir mitten auf dem See an, und man hört nur das Wasser am Rumpf. Auf der einen Seite die bunten Berge, auf der anderen ein Dorf, und keine Eile weiterzufahren.
Auch die Luft verändert sich. Es ist frischer, und auf dem Boot spürt man das stärker: Eine leichte Jacke reicht völlig. Mein venezianisches Wassertaxi hat ein Verdeck, das schützt, und das Holz des Armaturenbretts hat ungefähr die Farbe des Herbstlaubs.

Das Licht am Nachmittag
Wenn Sie mich nach der richtigen Zeit für das Herbstlaub fragen, sage ich: der Nachmittag. Im Herbst ist das Nachmittagslicht tief und warm. Es fällt seitlich auf die Hänge und holt Rot- und Gelbtöne hervor, die mittags flach wirken.
Auch für Fotos ist es ein gutes Licht. Vom Wasser aus stehen keine Kabel, Straßen oder geparkten Autos vor der Linse. Nur das Ufer, darüber der Wald und, wenn der See still ist, darunter das Spiegelbild.
Drei Tipps vom Steuer
- 01Eine Schicht mehr
Im Herbst ist das Wetter frischer, und auf dem Boot merkt man es. Nehmen Sie eine leichte Jacke mit, auch wenn der Tag mild wirkt.
- 02Den Nachmittag wählen
Das tiefe, warme Licht am Nachmittag zeigt die Farben der Wälder am besten.
- 03Auf den Sonnenuntergang achten
Im Herbst werden die Tage kürzer, und die Dunkelheit kann früher kommen, als Sie erwarten. Prüfen Sie die Zeit des Sonnenuntergangs am selben Tag.
Wenn Sie den See im Herbst so erleben möchten, vom Wasser aus statt von der Straße, fahren wir gemeinsam los mit der Classic Lake Tour: zwei Stunden an Bord, mit Zeit, den Wäldern beim Farbwechsel zuzusehen und dort anzuhalten, wo das Licht stimmt.

Classic Lake Tour
Zwei Stunden auf dem Lario, im Rhythmus des Herbstes: Wir sehen uns an Bord.
